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Le Théâtre Neumarkt

Fondations :

Fondation Binding
Fondation Ernst Göhner
Fondation de Famille Sandoz

Théâtres :

Théâtre Vidy-Lausanne
Theater Basel
Théâtre Neumarkt
Schauspielhaus Zürich



Das Haus am Neumarkt 5 in Zürich, wo sich das Theater Neumarkt befindet, steht schon mehr als 300 Jahre und hat nicht nur eine lange, sondern auch eine wechselhafte Geschichte: Vor der Theatergründung im Jahre 1966 wurde das Gebäude unter anderem als Gesellschaftsraum der Schuhmacherzunft, als Töchterschule und als Gewerkschaftslokal linker Gruppierungen genutzt und kein geringerer als Lenin ist hier während seines Exils ein und aus gegangen.

 

Dass Mitte der 1960er Jahre am Neumarkt ein Theater gegründet worden ist, hatte mit dem damals aufkommenden Interesse am modernen und experimentellen Theater und dem Bedürfnis nach einer Alternative zum etablierten Schauspielhaus zu tun. Unter dem ersten Theaterdirektor, Felix Rellstab, kamen denn auch Stücke von Vaclav Havel, Harold Pinter, Samuel Beckett oder Eugène Ionesco zur Aufführung. Noch progressiver wurde es während der Direktionszeit von Horst Zankl. Unter seiner Leitung verfügten das Ensemble sowie alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Theaters über ein Mitbestimmungsrecht am Spielplan. Weitere Direktoren des Theater Neumarkt waren u.a. Helmut Palitsch, Gudrun Orsky, Volker Hesse und Stephan Müller, Crescentia Dünsser und Otto Kukla und Wolfgang Reiter.

 

Seit Herbst 2008 wird das Neumarkt-Erbe Barbara Weber und Rafael Sanchez geleitet, zwei jungen Regisseuren, die beide Erfolge im deutschsprachigen Ausland gefeiert haben.

Veränderungen in der Gesellschaft oder auch deren Ausbleiben aufzunehmen und in der Theaterarbeit darauf zu reagieren, ist eines der Anliegen des neuen Teams. Krise und Rezession beispielsweise werden nicht automatisch als Verlust und Mangel begriffen, sondern als Chance – Chance der Umwertung und der Veränderung. Der Rückgriff auf «klassische» literarische Texte dient nicht der Traditionspflege, sondern versteht sich unter den gegebenen Umständen als Wertsetzung und als Korrektiv. Das gilt natürlich nicht weniger für die Arbeit mit neuen Texten und experimentellen Formen. Immer geht es dabei um die Frage: Was brauchen wir wirklich? Was fehlt?

Ausgangspunkt ist dabei die Überzeugung: Im gleichen Maße, wie die Menschen an ihren Erfolgen arbeiten, arbeiten sie auch an ihrem Scheitern. Und an diesem allzumenschlichen Widerspruch scheitern wiederum alle Denkmodelle, die eindeutig formulieren wollen, was wir wirklich brauchen. Wir brauchen offenbar immer auch das Gegenteil. Wir erfahren offenbar eine subtile Befriedigung, wenn wir unsere eigenen Pläne durchkreuzen und das Unnütze, wenn nicht das Schädliche tun.

Der russische Dichter Fjodor Dostojewski hat den vertrackten Gedanken ausgesprochen, dass im Verzicht auf den Nutzen vielleicht der größte Nutzen liege. Nur wer bereit ist, Nützlichkeitserwägungen hinter sich zu lassen, könne die Erfahrung machen, dass er «keine Schraube» ist. Gerade dadurch, dass man «das Unsinnige» tut, bewahre man sich Autonomie und Freiheit.

Die Beobachtung gesellschaftlicher Prozesse zwingt dazu, sich nicht primär auf Theorien zu verlassen, sondern auf die eigene soziale Erfahrung. Dabei ist man sich bewusst, selbst Teil dessen zu sein, was abgelehnt oder kritisiert wird – und dessen Nutzniesser man doch zugleich ist. Aber diese Paradoxie soll ausgehalten und sichtbar gemacht werden. 

http://www.theaterneumarkt.ch/